Die Landkarte ist nicht das Gelände.
Dieses berühmte Zitat des polnischen Gelehrten Alfred Korzybski fand auch in der Beratung Beachtung. Korzybskis Ziel war es aufzuzeigen, dass unser Gehirn ein mentales Modell der Welt um uns herum erstellt, um diese fass- und begreifbar zu machen. Dieses Modell bzw. diese Landkarte entspricht jedoch nicht der Wirklichkeit oder dem tatsächlichen Gelände. All unser Verstehen setzt sich aus den Abbildern, die wir uns von der Welt machen, zusammen und ist gespickt mit optischen Täuschungen und persönlichen Selektionen.
Wie wir also auf andere Menschen zugehen, hängt stark davon ab, welche mentale Karte wir von diesen bereits erstellt haben – welche Erwartungen vorhanden sind, welche Bilder wir von anderen transportiert bekommen haben, wie wir vergangene Begegnungen erlebt, bewertet und abgespeichert haben.
Ein spannendes Experiment für das neue Jahr wäre es doch, sich dieser vorhandenen Karten gewahr zu werden und diese einmal bewusst beiseitezulegen oder versuchen, anders zu lesen. Dann können wir nämlich in die Phase der persönlichen Reflexion eintauchen:
Versuchen Sie ganz bei sich selbst zu bleiben und in sich hineinzuspüren. Welche Gedanken und Gefühle tauchen da auf? Wo sind diese Gefühle körperlich spürbar: am Knoten im Bauch, am Frosch im Hals oder dem verspannten Nacken vom zu schweren „Pakerl“, welches Sie gerade tragen? All diese Gefühle und körperlichen Anzeichen sind Hinweise darauf, dass notwendige Bedürfnisse gerade nicht erfüllt sind, jene nach Unterstützung und Hilfe, gehört und verstanden werden, Gemeinschaft und Zugehörigkeit, Ruhe und Zeit für sich, Erfolg und Wertschätzung, etc.
Begeben wir uns selbst auf diese Entdeckungsreise und suchen nach den verborgenen Informationen hinter unseren mentalen Karten, so steigt unsere Chance zu bekommen, was wir brauchen, enorm an. Wenn wir uns nämlich selbst darüber ganz klar sind, können wir es auch anderen mitteilen, als Ich-Botschaft. Und im Austausch eine neue, detailreichere Karte gemeinsam zeichnen.