Angesichts der vielen Krisen und Konflikte, sowohl was das Weltgeschehen betrifft als auch Ereignisse, die uns persönlich betreffen, entsteht der Eindruck, dass immer mehr Menschen unter Erschöpfungssymptomen leiden und viele nur noch ums Überleben kämpfen. Was noch vor einigen Jahren als selbstverständlich erlebt wurde – z.B., dass es nachfolgende Generation besser haben und eine intakte Umwelt vorfinden werden – hat an Selbstverständlichkeit verloren. Dies lässt ein Gefühl von Verletzlichkeit entstehen, macht Unbehagen und auch Angst. Angst bedeutet ursprünglich „Enge“ – ja sie macht eng, macht uns atem- und oft sprachlos. (vgl. Tom Levold, Systemische Perspektiven in Beratung und Therapie)
Friedrich Nitzsche sieht die Hoffnung – im Vergleich zur Angst – als eine Grundstimmung, die dafür sorgt, dass wir trotz aller Übel ein entschlossenes Ja zum Leben sagen können. Er begreift die Hoffnung als ein „Trotzdem“.
Und der südkoreanisch-deutsche Philosoph Byung-Chul Han schreibt:
Wo die Angst nur Warnschilder aufstellen kann, dort errichtet die Hoffnung Wegweiser, sie gibt uns Sinn und Orientierung.
In unserem Glauben ist die Hoffnung ein Geschenk Gottes, das uns jeden Tag angeboten wird. In der Zeit der Beratungstätigkeit habe ich gesehen, dass Hoffnung immer dort vorhanden ist, wo Menschen den Sinn dahinter erkennen. Sei es in der eigenen Tätigkeit, in neuen Kooperationen, in der Zusammenarbeit im Ehrenamt oder im Engagement in gesellschaftlichen Projekten. Dabei ist nicht relevant, wie es in der Zukunft ausgehen wird und welche Ergebnisse erzielt werden, der Sinn im Jetzt zählt.
Jürgen Moltmann schreibt:
Die Hoffnung ist von dem Glauben getragen, dass alles ganz anders werden könnte, sie ist die Leidenschaft für das Mögliche und richtet den Blick auf das Noch-Nicht-Seiende, auf das Ungeborene. Sie erschließt der Wirklichkeit ihre künftigen Möglichkeiten.
So wünsche ich Ihnen in Ihrem Tun, vor allem auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit in den Pfarrverbänden, in den eigenen Teams, in unserer Diözese, dass Sie von der Grundstimmung der Hoffnung getragen sind und dieses Trotzdem für sich wählen, dass die Leidenschaft für das Mögliche in Ihnen brennt, damit das Noch-nicht-Seiende einen Nährboden zum Wachsen findet.