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Beichte

 

Das Sakrament der Versöhnung: Ballast abwerfen, Freiheit gewinnen

„Komm herbei, wer mühselig und beladen ist – ich will euch erquicken.“ (frei nach Matthäus 11,28)

 

 

Im Alltag tragen wir manchmal Dinge mit uns herum, die uns belasten: Fehler, die wir bereuen, Streit, der nicht geschlichtet wurde, oder einfach das Gefühl, den eigenen Ansprüchen und denen Gottes nicht gerecht geworden zu sein. Die Beichte – oder das Sakrament der Versöhnung – ist die Einladung Gottes, diesen Ballast abzuwerfen und neu durchzuatmen.

 

Was passiert bei der Beichte?

Theologisch gesehen ist die Beichte der Ort der bedingungslosen Barmherzigkeit.

* Ehrlichkeit: Du darfst vor Gott aussprechen, was schiefgelaufen ist. Ohne Maske, ohne Ausreden.

* Lossprechung: Der Priester spricht dir im Namen Gottes die Vergebung zu. Das ist kein „Urteil“, sondern eine Heilung. Was war, zählt nicht mehr; die Beziehung zu Gott und den Menschen ist geheilt.

* Neuanfang: Die Beichte gibt dir die geistige Kraft, es ab jetzt besser zu machen. Sie ist wie eine „Dusche für die Seele“.

 

Wie läuft ein Beichtgespräch ab?

Viele haben Angst, etwas „falsch“ zu machen oder nicht mehr zu wissen, wie es geht. Keine Sorge! Der Priester hilft Ihnen gerne durch das Gespräch. Ein klassischer Ablauf sieht so aus:

1. Begrüßung und Segen: Sie betreten den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer und nehmen dort Platz. Der Priester macht mit Ihnen ein Kreuzzeichen "Im Namen des Vaters ..." und er spricht ein kurzes Gebet.

2. Das Gespräch: Sie erzählen, was Sie belastet oder wo Sie vom Weg abgekommen sind.

3. Reue und Vorsatz: Das ehrliche Bedauern und der Wunsch, es in Zukunft besser zu machen.

4. Lossprechung (Absolution): Der Priester spricht die befreienden Worte der Vergebung.

5. Ein kleiner Impuls (Buße): Eine kleine Übung oder ein Gebet, um die Dankbarkeit über den Neuanfang auszudrücken.

 

Das Beichtgeheimnis

Dies ist eines der strengsten kirchlichen Gesetze: Alles, was Sie in der Beichte sagen, bleibt absolut unter uns. Der Priester ist unter keinen Umständen (auch nicht gegenüber der Polizei oder dem Staat) berechtigt, Inhalte des Beichtgesprächs preiszugeben. Dies garantiert Ihnen einen absolut geschützten Raum.

 

Wann und wo kann ich beichten?

* Regelmäßige Beichtzeiten: Jeden Samstag von 18.10 Uhr bis 18.45 Uhr in der Kirche/im Beichtstuhl.

* Beichtgespräch nach Vereinbarung: Manchmal braucht es mehr Zeit für ein ausführliches Seelsorgegespräch. Kontaktieren Sie dazu gerne unseren Pfarrer oder Kooperator direkt unter 05352 622 53.

Haben Sie keine Scheu. Gott wartet nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit offenen Armen. Ein Neuanfang ist jederzeit möglich.

 

Zeit für mich – Zeit für Gott: Ein Leitfaden zur Gewissenserforschung

Die Vorbereitung auf die Beichte ist kein „Sündensammeln“, sondern ein ehrlicher Blick auf das eigene Leben. Es geht darum, zu schauen: Wo stehe ich gerade? Wo ist meine Liebe zu Gott, zu meinen Mitmenschen und zu mir selbst abgekühlt?

Nutzen Sie diese Fragen als Inspiration für ein stilles Gebet vor dem Beichtgespräch:

 

1. Ich und Gott

* Welche Rolle spielt Gott in meinem Alltag? Nehme ich mir Zeit für die Stille und das Gebet?

* Habe ich Gott vertraut, auch wenn es schwierig war, oder habe ich mich von ihm abgewendet?

* Ist mir mein Glaube wichtig, oder ist er nur noch eine leere Gewohnheit?

 

2. Ich und meine Mitmenschen

* Ehrlichkeit: War ich aufrichtig zu anderen, oder habe ich gelogen und manipuliert, um mir Vorteile zu verschaffen?

* Respekt: Habe ich schlecht über andere geredet (Klatsch und Tratsch)? Habe ich jemanden bewusst ausgegrenzt oder verletzt?

* Versöhnung: Bin ich nachtragend? Gibt es jemanden, dem ich vergeben sollte oder den ich um Verzeihung bitten müsste?

* Verantwortung: Habe ich meine Talente eingesetzt, um anderen zu helfen, oder war ich egoistisch und gleichgültig gegenüber der Not meiner Mitmenschen?

 

3. Ich - wie gehe ich mit mir selbst um?

* Gehe ich gut mit mir um (Körper, Seele, Gesundheit)? Oder überfordere ich mich ständig?

* Bin ich authentisch? Stehe ich zu meinen Werten, auch wenn es unbequem ist?

* Lasse ich mich von Neid oder Habgier leiten, anstatt dankbar für das zu sein, was ich habe?

 

4. Ich und die Schöpfung

* Wie gehe ich mit den Ressourcen unserer Erde um? Achte ich auf Nachhaltigkeit und einen verantwortungsvollen Lebensstil?

* Habe ich Ehrfurcht vor dem Leben in all seinen Formen?

 

Ein kurzes Gebet zur Vorbereitung:

„Guter Gott, öffne mir die Augen für mein Leben. Hilf mir, das Schwere beim Namen zu nennen und auf deine Barmherzigkeit zu vertrauen. Schenk mir den Mut für einen ehrlichen Neuanfang. Amen.“

Tipp: Sie müssen nicht auf jede Frage eine Antwort haben. Oft bleibt im Herzen ein bestimmtes Thema hängen, das „dran“ ist. Genau das ist der richtige Ausgangspunkt für Ihr Beichtgespräch.

 

Spiegel der Seele: Die 10 Gebote als Wegweiser

Die 10 Gebote sind keine Verbotsliste, sondern „Geländer“ für ein gelingendes Leben in Freiheit. Vor der Beichte helfen sie uns zu erkennen, wo wir den Kontakt zu Gott und den Mitmenschen verloren haben.

I. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Oder: Gott die Ehre geben. „Lass Gott Gott sein.“ Es geht darum, sich von inneren Zwängen und den Erwartungen anderer zu befreien. Nur wenn Gott an erster Stelle steht, bist du wirklich frei von menschlichen Tyrannen.

* Was ist das Wichtigste in meinem Leben? Steht Gott an erster Stelle, oder sind es Geld, Erfolg, Ansehen oder mein Handy?

* Vertraue ich Gott auch in Krisen, oder suche ich Ersatzbefriedigungen oder zweifelhafte Heilsversprechen?

 

II. Du sollst den Namen Gottes nicht missbräuchlich verwenden. Oder: Den Namen Gottes achten. Missbrauche die Religion nicht für deine eigenen Zwecke. Geh ehrfürchtig mit dem Geheimnis Gottes um, statt ihn für deine Ideologien einzuspannen.

* Habe ich den Namen Gottes oder heilige Dinge achtlos als Schimpfwort benutzt?

* Stehe ich zu meinem Glauben, oder verleugne ich ihn aus Angst vor der Meinung anderer?

 

III. Du sollst den Sonn – u.  Feiertag heiligen. Oder: Den Sabbat heiligen. Gönne dir die Unterbrechung. Der Sonntag ist ein Tag der Zweckfreiheit, an dem du nicht leisten musst, sondern einfach sein darfst. Es ist ein Schutz vor der totalen Ökonomisierung des Lebens.

* Gönne ich mir und meiner Familie am Sonntag Ruhe, oder herrscht auch dann nur Arbeitsstress und Konsum?

* Suche ich am Sonntag oder Feiertag die Begegnung mit Gott im Gottesdienst und in der Gemeinschaft?

 

IV. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Versöhne dich mit deiner Herkunft. Es bedeutet nicht blinden Gehorsam, sondern die Annahme der eigenen Wurzeln, um als erwachsener Mensch frei nach vorne blicken zu können.

* Wie gehe ich mit meinen Eltern und älteren Angehörigen um? Schenke ich ihnen Zeit, Geduld und Respekt?

* Übernehme ich Verantwortung für meine Familie, oder ziehe ich mich nur auf meine eigenen Wünsche zurück?

 

V. Du sollst nicht töten. Fördere das Lebendige. Das meint auch: Töte nicht durch Worte, durch Neid oder durch Entwertung. Schütze die Lebendigkeit in dir selbst und in anderen.

* Habe ich anderen durch Worte, Hass oder Mobbing wehgetan? („Worte können wie Waffen sein.“)

* Gehe ich achtsam mit meiner eigenen Gesundheit um (Sucht, Raubbau am Körper)?

* Habe ich die Würde anderer verletzt?

 

VI. Du sollst nicht ehebrechen. Sei ganz gegenwärtig in deinen Beziehungen. Es geht um die Kostbarkeit von Treue als Schutzraum für Liebe, damit Intimität und Vertrauen wachsen können.

* Bin ich treu in meinen Beziehungen (in Taten und Gedanken)?

* Gehe ich mit dem Thema Sexualität verantwortungsvoll und wertschätzend um, oder benutze ich andere Menschen nur zur eigenen Befriedigung?

 

VII. Du sollst nicht stehlen. Respektiere die Grenzen des anderen. Nimm niemandem den Raum, den er zum Leben braucht. Sei großzügig, statt aus Angst vor Mangel alles an dich zu reißen.

* Habe ich mir Dinge angeeignet, die mir nicht gehören (auch am Arbeitsplatz oder im Internet)?

* Bin ich geizig gegenüber Menschen in Not, obwohl ich im Überfluss lebe?

* Habe ich Schulden nicht zurückgezahlt oder andere finanziell benachteiligt?

 

VIII. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten. Oder: Kein falsches Zeugnis geben. Sprich die Wahrheit, die aufrichtet. Es geht um die Wahrhaftigkeit, die nicht verletzt, sondern Klarheit schafft und Vertrauen ermöglicht.

* War ich ehrlich? Oder habe ich gelogen, um mich besser darzustellen?

* Habe ich Gerüchte verbreitet oder den Ruf eines anderen durch Klatsch beschädigt?

* Habe ich geschwiegen, wo ich für die Wahrheit hätte eintreten müssen?

 

IX. u. X. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau / deines Nächsten Gut. Achte die Einzigartigkeit von Beziehungen. Akzeptiere, dass es Intimität gibt, die dir nicht gehört, und bewahre dein Herz vor zerstörerischer Leidenschaft. Werde frei vom ständigen Vergleich. Finde die Fülle in deinem eigenen Leben, statt immer auf das zu schielen, was die anderen haben.

* Zerfresse ich mich vor Neid auf das Glück, den Erfolg oder den Besitz anderer?

* Bin ich ständig unzufrieden mit dem, was ich habe, und will immer mehr?

* Kann ich mich noch ehrlich für andere freuen?

 

Abschlussgedanke:

Gott sieht nicht nur das, was wir falsch gemacht haben. Er sieht die Sehnsucht in unserem Herzen, es besser machen zu wollen. Nehmen Sie diese Erkenntnisse mit in das Beichtgespräch – der Priester wird Ihnen helfen, daraus einen Weg der Heilung zu finden.

 

 

Weitere Infos zur Beichte/Sakrament der Versöhnung


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Kontakt 

Pfarre St. Johann in Tirol

Dechant -Wieshoferstraße 1
6380 St. Johann in Tirol

Tel: +43 (0) 5352 / 62253

pfarre.stjohannintirol@eds.at

 

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