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"Die Liebe geht allem voran"

Ein leises Raunen geht durch den Bus, der die 14-köpfige Delegation aus Österreich durch die engen Gassen des Kairorer Müllsammler-Viertels Mokattam kutschiert. Wer ins Freie geht, dem raubt der beißende Abfall-Gestank im ersten Moment den Atem, zahllose Fliegen umschwirren Menschen und den meterhoch sich türmenden Müll. Täglich wird hier der Abfall der Großstadt abgeladen, sortiert und zur Weiterverwertung verkauft. Selbst Kinder arbeiten, um durch den Verkauf von Karton und Plastik zum Familieneinkommen beizutragen. "Ich gehe nicht mehr zur Schule, es kostet zu viel Geld", erzählt der 14-jährige Antonius. Im Slum lebende Christen wie er entsorgen seit Generationen hier den Müll, den die 20-Millionen-Stadt täglich produziert.

 

Schulabschluss statt Zwangsheirat

Damit Kinder wie Antonius trotz ärmster Lebensumstände dennoch die Schule absolvieren können - dafür kämpft das 1979 gegründete "Hilfswerk Sr. Emmanuelle".

 

"Als wir hier begonnen haben, war es einfach unvorstellbar", so Sr. Sara. "Mädchen heirateten im Kindesalter; jede Frau bekam zehn, zwölf Babys, und die Kinder lebten wie die Tiere. Wir mussten einfach etwas tun." Heute gebe es hier kein Mädchen mehr, das im Kindesalter zwangsverheiratet werde, im Gegenteil: Bereits 300 junge Frauen von hier haben Hochschulen abgeschlossen, der Großteil von ihnen kehrte sogar wieder ins Armenviertel zurück. "Das hat den Charakter des Ortes stark verändert", weiß Sr. Sara und berichtet davon, dass sich das Leben der Bewohner hier durch den vermehrten Schulbesuch von Kindern aus absolut armen Familien und durch medizinische Angebote vor Ort langsam, aber stetig verbessern würde.

 

Den Besuchern aus Österreich hat es vor allem die "Al Gabal Mokattam"-Schule angetan: Bunt bemalt, einladen und hell erstrahlt sie im Viertel wie ein Juwel. Ganze zwei der vier Stockwerke wurden allein mit Spendengeld aus Österreich finanziert. Eine junge Ordensschwester führt durch das Gebäude und steigt mit den Besuchern bis auf das Dach. "Hier oben bauen wir gerade eine Theaterbühne für Schulaufführungen", erklärt Sr. Nada.

 

Wie man so viel Elend tagtäglich aushalten könne, fragt eine der österreichischen Spenderinnen im Anschluss an den Besuch im Slum. Sr. Sara lächelt. "Wenn wir das Gebet nicht hätten, würden wir den Kopf verlieren." Die ursprüngliche Kraft für die Nonnen aber, das sei die Liebe.

"Sie geht allem andren voran."

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