1992 lernt er die Vinzenzgemeinschaft kennen. Er engagiert sich, den vertriebenen Südsudanesen zu helfen, die zu Hunderttausenden in Lagern rund um die Hauptstadt leben. Seine Ackerbau-Kenntnisse tragen innerhalb weniger Jahre zur Entwicklung von Farmen für Heranwachsende und Berufsbildungzentren bei.
Nach fünf Jahren in Australien, wo er für die Verwaltung der Zuwanderungsbehörde arbeitet, kehrt er in den Sudan zurück, um die Teams der Vinzenzgemeinschaft zu unterstüzten. Endgültig nach Khartum zurückgekehrt, widmet er sich ausschließlich den Projekten der Vinzenzgemeinschaft. Nach dem Freidensabkommen 2005 wird er beauftragt, Projekte im Süden zu installieren, und er wird Koordinator der Projekte in Juba, wo er sich vor der Abspaltung des Landes 2011 niederlässt. Er glaubt daran, dass die Menschen in seiner Heimat eine Zukunft haben. Für diese Zukunft arbeitet er.

Mitgefühl muss als einer der wichtigsten Werte in einer Welt angesehen werden, die unter Armut, Schmerz und Trauer leidet. Sr. Emmanuelle war damit besonderst gesegnet und ihr Einsatz wandte das Leben so vieler Menschen zum Positiven.
Auch im hohen Alter streckte sie ihre Hand den Unterprivilegierten, Kranken und Armen entgegen und ermöglichte ihnen, ein Leben in Würde zu führen.

Zwei Unermüdliche im Dienste der Ärmsten: Diakon Kamal Tadros mit Sr. Emmanuelle
Mit Diakon Kamal Tadros, einem ehemaligen Topmanager bei Shell Oil, gründete sie in den 1980er-Jahren im damals ungeteilten Sudan Kliniken, Schulen, ein Waisenhaus, Heime für Straßenkinder, Farmen, beufsbildende Einrichtungen und Ernährungszentren für Schul- und Kleinkinder. Diese Projekte retteten hunderttausende Menschen.
Kommunikation mit den Menschen war für Sr. Emmanuelle von allergrößter Bedeutung, daher lernte sie die Sprache der Menschen, mit denen sie zu tun hatte, mit großer Begeisterung. Sie hörte gern zu und suchte in ihrem Herzen nach Wegen, Menschen glücklich zu machen. Ihr Leben lang war sie auf der Suche nach dem, was Menschlichkeit ausmacht. Ihre Hingabe, ihr Engagement und ihre Demut im Wirken für die Armen, ihre liebevolle Art, mit schwierigen Situationen umzugehen, zeigen, dass sie ihren Lebenssinn gefunden hatte: Liebe ließ sie mehr an andere denken als an sich selbst, und die Liebe zu Christus war für sie eine absolute Wahrheit, für die sie sich bis zum Tode einsetzte. Gleichzeitig stand sie mit beiden Füßen auf der Erde. Der Erfolg unserer Projekte bedeutete ihr sehr viel.
Ich bin sehr froh, dass ich sie kennenlernen durfte. Sie machte mich zu einem Menschen, der sein eigentliches Glück, trotz meines sozialen Standes und meiner Ausbildung, nur im Dienst an den Armen finden kann. Ich bin dank Sr. Emmanuelle zutiefst überzeugt, dass ein Mensch, der in und mit Gott lebt, nie verzweifeln muss. Ihr Vermächtnis für mich ist, die Nöte und Bedürfnisse zu verstehen und gemeinsam mit meinem engagierten Team Mittel und Wege zu finden, damit unsere Projekte ihren vollen, positiven Einfluss auf das leben der Armen nehmen können.
Kamal Tadros wurde 1935 im Sudan als ältestes von zehn Kindern einer südägyptischen Familie geboren. Als er 13 Jahre alt war, musste er die Schule verlassen, um mit seinem Vater die große Familie zu unterstützen. Mehr als 30 Jahre arbeitete er bei Shell, bis er 1978 mit seinem Schwager ein sehr erfolgreiches eigenes Unternehmen gründete. Kamal engagierte sich in der Vinzenzgemeinschaft des Sudan, deren Vorsitzender er war. 1979 wurde er zum Dieakon geweiht. Im Jahr 1985 lerne er Sr. Emmanuelle kennen, die zur Hilfe für die Notleidenen im Sudan gerufen worden war. Sei bat ihn, seine Arbeit aufzugeben und sich um die Straßenkinder zu kümmern. Kamal brauchte nur einen Tag Bedenkzeit.
1986 wurde das erste Waisenhaus für Straßenkinder eröffnet, im selben Jahr folgte seine Ernennung zum Direktor der erzbischöflichen Schulen in den Lagern für Binnenflüchtlinge. Dank der Unterstützung durch die europäischen Sr. Emmanuelle Vereine und verschiedener religiöser Institutionen stieg die Zahl der Kinder, denen das Projekt zugute kam, innerhalb von 15 Jahren auf 70 000! Kamal förderte auch die Ausbildung der Lehrer*innen in den Sommermonaten, sodass die schulischen Leistungen der Kinder in den Lagern zu den besten des Landes gehörten.
Leider waren Kamal und die Vinzengemeinschaft großem Druck und vielen Schikanen der Regierung ausgesetzt: In einem Jahr wurden 17 Schulen aus fadenscheinigen Gründen dem Erdboden gleich gemacht. Aber Kamal gab nicht auf und errichtete die Schulen an anderen Orten wieder. 1993 stand Kamal an der Spitze des Komitees, welches den Besuch von Papst Johannes Paul II in Khartum organisierte. Trotz vieler Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt wurden, war der Papstbesuch ein großer Erfolg.
1994 wurde Kamal verhaftet und zwei Wochen lang eingesperrt. Er wurde gefoltert, seine Familie wusste nicht, wohin er verschwunden war. Erst als Sr. Emmanuelle persönlich beim Präsidenten intervenierte, wurde er freigelassen. 2011 trat Kamal, nachdem er diesen Schritt lange und gut vorbereitet hatte, als Vorsitzender der Vinzenzgemeinschaft des Sudan zurück und zog mit seiner Frau zur Tochter, die in Australien als Ärztin arbeitet. Kamal Tadros wurde mit zwei päpstlichen Medaillien ausgezeichnet und war 2010 Mann des Jahres der Caritas Österreich.
Danke, dass wir diesen großariten Menschen kennenlernen durften! Ruhe in Frieden, Diakon Kamal

Texte vom der Caritas Homepage und 40 Jahre Bücherl!