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  Salz & Licht | Artikelübersicht

Inhalt:
05.02.2026

Maximilian Kurz-Thurn-Goldenstein: Fastenzeit ohne Meckern

Der Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision über die Frage, was passiert, wenn wir den Autopiloten ausschalten.

Trisha Rufinatscha

eds/(tru) Die Fastenzeit wird oft mit klassischem Verzicht verbunden: kein Alkohol, weniger Süßes, weniger Handy. Doch was wäre, wenn wir in dieser Zeit nicht auf Dinge verzichten, sondern auf Gewohnheiten?
Eine besonders spannende – und herausfordernde – Idee ist der bewusste Verzicht auf Meckern, Jammern und automatische Kritik.

Nicht, weil Kritik schlecht wäre. Sondern weil wir oft gar nicht merken, wie automatisch sie abläuft.

 

Meckern als Routine: Wenn Kritik zum Tagesritual wird

 

Für viele von uns gehört Meckern zum Alltag wie der Kaffee am Morgen.
Ein kurzer Kommentar über das Wetter, über andere Menschen, über uns selbst – fast beiläufig, fast unbemerkt. Genau hier liegt der Knackpunkt: Nicht die Kritik an sich ist problematisch, sondern der Automatismus dahinter. In der Fastenzeit kann es hilfreich sein, genau diesen Automatismus zu unterbrechen und sich zu fragen:

  • Ist mir das Thema wirklich wichtig?
  • Oder spule ich gerade nur ein gewohntes Programm ab?
  • Würde ich meine Energie hier bewusst einsetzen, wenn ich innehalte?

 

Kritik ja – aber bewusst und fair

 

Kritik, Selbstkritik und Selbstreflexion sind wichtig. Sie helfen uns zu wachsen. Problematisch wird es dort, wo Bewertung unbewusst, schnell und hart wird – vor allem gegenüber uns selbst. Viele Menschen sind ihre strengsten Richter. Wenn diese innere Bewertung ständig und automatisch läuft, färbt sie unser gesamtes Denken:

  • Wie wir die Welt sehen
  • Wie wir uns selbst wahrnehmen
  • Wie wir mit anderen umgehen

Die Fastenzeit kann ein Trainingsfeld sein, um genau hier Tempo rauszunehmen.

 

Innehalten statt sofort bewerten – ein Alltagsbeispiel

 

Stell dir vor, deine Schwester zieht ein Kleid an, das dir überhaupt nicht gefällt.Der Impuls ist sofort da: bewerten, kommentieren, vielleicht sogar abwerten. Der kleine, aber entscheidende Schritt dazwischen wäre:

  • Bin ich gerade fair?
  • Bin ich wertschätzend?
  • Akzeptiere ich, dass jemand einen anderen Geschmack hat als ich?

Kritik darf sein – aber sie kann achtsam und respektvoll formuliert werden. Oder man entscheidet sich bewusst, sie diesmal nicht auszusprechen.

 

Nicht auf Gefühle verzichten – sondern auf das falsche Jammern

 

Ganz wichtig: In der Fastenzeit geht es nicht darum, Gefühle zu unterdrücken. Jammern, Weinen, Lachen, Jubeln – das sind keine Luxusgüter, sondern Grundbedürfnisse. Emotionen zu unterdrücken wäre aus psychischer Sicht eher schädlich. Der Unterschied liegt woanders:

 

Echter Gefühlsausdruck vs. routiniertes Jammern

  • Echte Gefühle brauchen Raum.
  • Routine-Jammern läuft oft unbewusst ab – ohne echte Verbindung zum Thema.

 

Sprache prägt Denken – und Denken prägt unser Leben

 

Wir Menschen neigen dazu, defizitorientiert zu denken. Evolutionär hat das Sinn gemacht. Heute führt es oft dazu, dass wir blitzschnell sehen, was nicht passt – während das Gute unter dem Radar verschwindet.

Unsere Sprache verstärkt das:

  • Dauernde negative Bewertungen beeinflussen unsere Stimmung
  • Sie färben unser Denken
  • Und sie wirken langfristig auf unsere seelische Gesundheit

Die Fastenzeit kann eine Einladung sein, genau hier hinzuhören:

  • Spreche ich aus echtem Gefühl?
  • Oder rede ich aus Gewohnheit schlecht?

 

Dein Thema – mein Thema: Was liegt wirklich in meiner Hand?

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage nach Einfluss und Verantwortung:

  • Was kann ich tatsächlich beeinflussen?
  • Was liegt außerhalb meiner Kontrolle?

Nicht alles, was uns beschäftigt, ist auch unser Thema. Und nicht alles, was wir ständig kommentieren, können wir verändern. Loslassen ist nicht einfach – aber es schafft Freiraum. Freiraum für Dinge, die uns wirklich betreffen. Freiraum für das, was unser Thema ist.

 

Fastenzeit und Dauerstress: Warum wir nicht alles aushalten müssen

 

Viele Menschen leben unter permanentem Druck. Fastenzeit kann hier mehr sein als „noch mehr Disziplin“. Vielleicht beginnt sie mit einer einfachen Erkenntnis:

 

Wir müssen nicht alles aushalten.

 

Ein Bild hilft dabei besonders gut: Eine Bergsteigerin auf dem Weg zum Gipfel. Der Rucksack wird immer schwerer – aber sie merkt es erst, als sie stehen bleibt. Die Pause ist unbequem. Aber sie eröffnet eine wichtige Frage:

  • Brauche ich wirklich alles, was ich da mittrage?
  • Gehört das alles noch zu mir?
  • Darf ich mir Hilfe holen?

 

Fastenzeit als Einladung zur inneren Entlastung

 

Die Fastenzeit muss kein weiterer Leistungsauftrag sein. Sie kann eine Einladung sein:

  • Routinen zu unterbrechen
  • Bewertungen zu hinterfragen
  • Sprache bewusster einzusetzen
  • Und innerlich leichter zu werden

Nicht durch Verzicht auf Gefühle – sondern durch Verzicht auf das, was automatisch und unreflektiert läuft.

 

Hier geht es zum Video. 

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Mehr von und über Maximilian Kurz-Thurn-Goldenstein:

www.praxisgoldenstein.at

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