eds (tru) / Gut versteckt im Herzen Salzburgs liegt die Michaelskirche im Schatten des mächtigen Doms. Im Inneren der ältesten Pfarrkirche Salzburg warten wertvolle Malereien darauf, entdeckt zu werden. Sankt Peters Erzabt Jakob Auer weiß: „Gott hat nicht nur die sichtbare, sondern auch die unsichtbare Welt geschaffen. Zu dieser unsichtbaren Welt gehören im christlichen Glauben ganz wesentlich die Engel.“ Ihr Name leitet sich vom lateinischen angelus ab und bedeutet „Bote“. Sie geben der Botschaft Gottes in der Welt eine Stimme und machen etwas von Gottes Gegenwart spürbar. „Besonders deutlich zeigt sich das bei den drei Erzengeln Michael, Gabriel und Raphael. Jeder von ihnen steht für eine besondere Weise, wie Gott den Menschen begleitet“, sagt Auer.
Michael steht für den Kampf für Gott. Sein Name erinnert daran, dass Gott größer ist als alle Mächte, die sich ihm entgegenstellen. Der Erzengel Michael tritt für das Gute ein und kämpft dafür, dass Gottes Botschaft in dieser Welt gehört werden kann. Gabriel ist der Bote besonderer Nachrichten. Im Lukasevangelium kündigt er Maria die Geburt Jesu an. Auch dem Priester Zacharias bringt er die Botschaft von der Geburt Johannes´ des Täufers. Gabriel steht damit für die Botschaft, die einen Menschen überrascht, verändert und ihm eine neue Perspektive eröffnet. Raphael begegnet uns vor allem im Buch Tobit. Dort begleitet er Tobias auf seiner Reise. Sein Name verweist auf Gottes heilende Kraft. Raphael wird damit zum Zeichen dafür, dass Gott Menschen auf ihren Wegen begleitet und ihnen Heilung und Hilfe schenken kann.
Auch der Kirchenraum der Michaelskirche in Salzburg erzählt von diesem Glauben. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung des Erzengels Michael am Hochaltar. Michael nimmt dort eine klare Haltung gegenüber dem Bösen ein. „Dieses Bild bleibt mir besonders in Erinnerung: Michael, der für Gott kämpft und dafür eintritt, dass die Botschaft des Evangeliums in dieser Welt gehört werden kann“, sagt der Erzabt.
Der Glaube an Engel kann Menschen Hoffnung geben. Er erinnert daran, dass Gottes Schutz uns begleitet und dass wir unseren Weg nicht allein gehen. Gerade der Gedanke an den Schutzengel spricht viele Menschen an: Ein unsichtbarer Begleiter geht mit uns durch den Alltag. In schwierigen Situationen können wir uns an Gott wenden und auch den Schutzengel anrufen. Dabei geht es nicht darum, Engel zu magischen Wesen zu machen. "Vielmehr verweisen sie auf Gott selbst. Sie sind nicht das Ziel des Glaubens, sondern weisen über sich hinaus auf den, der sie geschaffen hat", sagt Auer.
Gerade beim Thema Engel fällt es manchmal schwer, eine klare Grenze zwischen christlichem Glauben und Esoterik zu ziehen. Engel begegnen uns heute auf vielfältige Weise – von Bildern und Figuren bis hin zu Dekorationen in den unterschiedlichsten Geschäften.
Doch der christliche Begriff des Engels geht tiefer. Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Heilige Schrift: Was erzählt die Bibel tatsächlich über Engel? Welche Aufgabe schreibt sie ihnen zu? Und worauf weisen sie uns hin?
Diese Fragen helfen dabei, zwischen einer beliebigen Vorstellung von Engeln und dem christlichen Verständnis zu unterscheiden.
Auch im Leben Jesu spielen Engel eine wichtige Rolle. Die Evangelien berichten beispielsweise von ihrer Bedeutung im Zusammenhang mit der Versuchung Jesu nach seinen 40 Tagen in der Wüste.
Dabei zeigen die biblischen Geschichten immer wieder: "Engel begleiten Menschen in entscheidenden Situationen. Sie bringen Botschaften, schützen, stärken und verweisen auf Gottes Gegenwart.
Besonders wichtig ist deshalb nicht allein die Vorstellung eines Engels als Vermittler. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung der Begleitung: Gott lässt den Menschen nicht allein", sagt uns Erzabt Auer.
Eine wichtige Bedeutung erhalten die Engel in der Liturgie. Wenn wir Gott loben, tun wir dies nicht allein. Wir stimmen in einen Lobpreis ein, der größer ist als unsere eigene Gemeinschaft. Besonders deutlich wird das in der Feier der Eucharistie. In der Präfation und im anschließenden Sanctus stimmen die Gläubigen in den Lobpreis der Engel ein. Damit verbindet die Liturgie die sichtbare und die unsichtbare Welt, die auch im großen Glaubensbekenntnis Eingang gefunden hat.