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Inhalt:

30. Juni

Heilige Erentrudis

Diözesan-, Stadt- und Landespatronin

 

Am letzten Juni-Tag wird in Salzburg eine große Persönlichkeit gefeiert: Die heilige Erentrudis, Diözesan-, Stadt- und Landespatronin von Salzburg. Obwohl über ihr Leben nur wenige schriftliche Zeugnisse existieren, ist das Andenken an sie bis heute bewahrt.

 

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Steckbrief und Fakten

  • Name: Erentrudis (auch Erintrudis, Arintrud, Erintruda, Erentraud, Ehrentraud)
  • Bedeutung und Herkunft: Althochdeutsch von arn, arin (Adler) und trud (Kraft, Stärke); bedeutet „Adler-Starke“ oder „adlergleiche Seherin“
  • Lebensdaten: * um 663 in Worms (Rheinland-Pfalz); † um 718 in Salzburg (vermutlich am 30. Juni)
  • Gedenktage: 30. Juni (katholisch), sowie in Salzburg der 4. September (Erhebung und Überführung der Gebeine)
    • Seit 2025 auch: Der Erentrudissonntag (letzter Sonntag im Juni)
  • Titel und Patronanzen: Erste Äbtissin auf dem Nonnberg, Patronin des Bundeslandes und der Stadt Salzburg, zweite Patronin der Diözese Salzburg.
  • Darstellung: Als Äbtissin mit Kirchenmodell, flammendem Herzen und Kreuz.
  • Pfarrpatrozinien: Stadtpfarrkirche zur heiligen Erentrudis (Herrnau), Hauskapelle im Erentrudishof (Morzg), Kapelle auf der Erentrudisalm (Elsbethen).

 

Herkunft und Übersiedlung nach Salzburg

Erentrudis stammte aus einer fürstlichen oder königlichen iroschottischen Familie am Mittelrhein. Es muss eine lange und beschwerliche Reise gewesen sein, die Erentrudis und ihre Gefährtinnen vom Mittelrhein in das damalige Iuvavum (Salzburg) führte. Warum sie diese Übersiedlung ins Ungewisse auf sich nahm, war vermutlich ihr tiefer, unerschütterlicher Glaube.

 

Die Überlieferung besagt, dass sie mit ihrem Onkel, dem heiligen Rupert (der als Abtbischof in Salzburg wirkte), zeitlebens eine tiefe seelische Verbindung hatte. Um 696 (andere Überlieferungen sprechen von ca. 712) folgte sie ihm in das ihr unbekannte Land. Zu diesem Zeitpunkt führte sie bereits ein klösterliches Leben. In den ältesten Dokumenten wird sie als „Deo sacrata, Christi famula, abbatissa“ (gottgeweiht, Dienerin Christi, Äbtissin) bezeichnet.

 

Wirken und Gründung des Stifts Nonnberg

Die Lebensumstände in den Resten des römischen Kastells auf der Nonnbergterrasse dürften für die Frauen anfänglich nicht einfach gewesen sein. Um 714 gründete der heilige Rupert mit Unterstützung des Bayernherzogs Theodbert und dessen Gemahlin Regintrud das Stift Nonnberg – das erste und älteste, bis heute bestehende Frauenkloster im deutschen Sprachraum.

 

Erentrudis wurde mit zwölf Gefährtinnen von Rupert als erste Äbtissin dieses der Jungfrau Maria geweihten Benediktinerinnenklosters eingesetzt. Ihr Wahlspruch lautete:

 

Es ist gut für mich, Gott anzuhangen und auf den Herrn meine Hoffnung zu setzen.
Psalm 73, 28

 

Man beschreibt Erentrudis als Frau mit großer seelischer Stärke, Durchsetzungsvermögen und hoher Bildung. Wie sie waren auch ihre Mitschwestern von adliger Herkunft und wiesen ein hohes Bildungsniveau auf. Erentrudis widmete sich der Liebe zu Gott und dem Gebet, kümmerte sich aber zugleich intensiv um die alltäglichen Bedürfnisse der Menschen. Ihrer Lebensbeschreibung, verfasst von Kaplan Caesarius Anfang des 14. Jahrhunderts, ist zu entnehmen, dass sie vor allem apostolisch tätig war. Gemeinsam mit den Mitschwestern hob sie den Lebens- und Bildungsstandard der Bevölkerung, trug zur Verbreitung der christlichen Werte bei und leistete Mission, Armen- und Krankenpflege, Erwachsenenbildung (vor allem für Frauen) und Kindererziehung (besonders für Mädchen).

 

Tod, Legende und Reliquien

Als Todesjahr von Erentrudis gilt das Jahr 718, in jedem Fall starb sie nach dem heiligen Rupert. Eine spätere Legende (zitiert von Franz Ortner) erzählt von ihrem Tod: „Eines Nachts sei er [Rupert] ihr im Traum erschienen und habe sie eingeladen, ihm nun in die ewige Heimat nachzufolgen. Da nahm Erentrudis nach mütterlichen Ermahnungen herzlichen Abschied von ihren Mitschwestern und verschied im Alter von etwa 55 Jahren.“ Eine Untersuchung ihrer Gebeine im Jahr 1924 bestätigte, dass sie nicht älter als 55 Jahre geworden ist.

 

Bereits kurz nach ihrem Tod, was durch eine Urkunde aus dem Jahr 788 belegt ist, setzte die Verehrung als Heilige ein. Es entstand eine Wallfahrt mitsamt Pilgerherberge. Sogenannte Kreuzvölker (Pilgergruppen) nahmen Wege von weit über 20 Stunden Gehzeit aus Salzburg und Bayern zur Nonnberger Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auf sich. 1986 wurde sie von Erzbischof Karl Berg, neben Rupert und Virgil, zur Diözesanpatronin erhoben.

 

Ihre Gebeine wurden im Jahr 1024 zunächst in die neue Krypta verlegt, deren Grab heute jedoch leer ist. Seit dem 14. und 17. Jahrhundert befinden sich die Überreste im Klausurbereich des Klosters, gefasst in einem kostbaren Büstenreliquiar (1318) sowie einem silbernen Reliquienschrein (geschaffen 1624/1674). Dieser steht heute unter dem Hochaltar der Chorkapelle und wird nur zum Hochfest der Heiligen (30. Juni) feierlich in die Kirche übertragen.

 


Äbtissin Veronika Kronlachner

Das Erbe der heiligen Erentrudis

 

Stift Nonnberg heute

Durch den Schutz und die mächtige Fürbitte der heiligen Erentrudis hat das Kloster Nonnberg seit über 1300 Jahren ununterbrochen Bestand. Die Benediktinerinnen blieben nicht nur in Salzburg; vom Nonnberg aus erfolgten etliche Klostergründungen im deutschen Sprachraum: Göss, Traunkirchen, St. Georgen am Längsee, Sonnenburg im Pustertal, Eichstätt, Gurk, Erla und Säben.

 

Die Strahlkraft der Heiligen wirkt bis heute fort. Die Schwestern im Stift, vertreten durch die 93. Nachfolgerin, Äbtissin Veronika Kronlachner OSB, engagieren sich heute für die geistlichen Belange junger Menschen, für die Ökumene, mit ihrer Biolandwirtschaft in Morzg für ein bewusstes Leben mit der Natur, sowie für die schönen Künste und die Musik. (Weitere Informationen zum Klosterleben: www.nonnberg.at)

 

Die Botschaft für die Gegenwart

Für Äbtissin Veronika Kronlachner ist Erentrudis vor allem ein Vorbild im Blick auf Herausforderungen der Gegenwart und für eine mutige Gestaltung der Zukunft nach dem Vorbild Christi. Erentrudis war eine Missionarin, beseelt von einem glühenden Eifer für das Evangelium. Betend spürte sie das Mitleid Jesu mit den Menschen und stellte sich mit ganzer Hingabe – sich selbst nicht festhaltend, sondern schenkend – in den Dienst der Fürbitte, Pflege und Erziehung.

 

Ihre Botschaft an uns heute:

Voll Hoffnung würde sie uns heute fragen: Willst nicht auch Du Gott aus ganzem Herzen anhangen – in gottgeweihter Hingabe im Priester- oder Ordensberuf, als Vater, als Mutter, als Lehrerin, Politiker oder was immer Du bist und wozu Du Dich berufen fühlst? Spürst Du in Dir das Feuer, das uns in der Tiefe brennend verzehrt, das Verlangen, Christus für die Welt zu leben?

 


Erentrudisgebet

 

Heilige Mutter Erentraud,

voll Vertrauen sind wir hier vor dir

und glauben,

dass du uns erhörst.

Segne alle, die diesen Ort betreten

und lass niemanden ungetröstet von hier fortgehen.

Wir bringen dir unsere Freuden und Leiden,

unser Hoffen und Bangen

und bitten dich:

Stehe uns in jeder Lebenslage bei!

Breite schützend deine Hände aus

über unser Kloster und über unsere Diözese,

über Stadt und Land.

Erwirke uns Gottes Erbarmen,

die Einigung im Glauben und in den Herzen.

Streite mit uns, wo die Macht des Bösen wirkt

und wir uns in leiblicher oder seelischer Gefahr befinden.

Durch dein Fürbittgebet erhalte unserem Land den Frieden

und den Menschen den unverbildeten Sinn

für die wahren und bleibenden Werte christlichen Lebens.

Erbitte uns beim Herrn viele gute Berufungen

für unsere Gemeinschaften und die gesamte Kirche.

 


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