
Papst Leo XIV
- Präsident
Das Wort „Synode“ („syn-odos“) kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „gemeinsam auf dem Weg“. In seiner ursprünglichen Bedeutung meint Synodalität daher mehr als eine Methode zur Entscheidungsfindung. Sie beschreibt zunächst das Wesen der Kirche als Weggemeinschaft: Kirche ist die Gemeinschaft des pilgernden Volkes Gottes, die mit Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes unterwegs ist, um das Evangelium zu verkünden.
Dieses Wesen der Kirche muss sich in der gewöhnlichen Lebens- und Arbeitsweise („modus vivendi et operandi“) der Kirche ausdrücken. Von hier aus ergeben sich drei weitere Bedeutungsebene des Begriffs Synodalität:
Während bei den zurückliegenden Synoden Themen wie Neuevangelisierung, Familie, junge Menschen und Amazonien behandelt wurden, richtet die aktuelle Synode den Fokus auf die Synodalität selbst. Ihre Leitfrage lautet:
Eine synodale Kirche, die das Evangelium verkündet, ‚geht gemeinsam‘. Wie verwirklicht sich dieses ‚gemeinsame Gehen‘ heute in Ihren Teilkirchen? Welche Schritte lädt der Geist uns ein, zu gehen, um in unserem ‚gemeinsamen Gehen‘ zu wachsen?
Das Ziel dieser Synode ist es nicht, eine einmalige Erfahrung der Synodalität zu bieten, sondern die Kirche langfristig synodaler zu machen. Daher ist die Synode als mehrjähriger Synodenprozess mit mehreren Phasen angelegt, in den möglichst viele Menschen einbezogen werden sollen. Eine ebenfalls mehrjährige Umsetzungsphase beendet den Prozess.
Synodalität ist kein Selbstzweck. „Die synodale Form der Kirche steht im Dienst ihrer Sendung, und jede Veränderung im Leben der Kirche soll sie fähiger machen, das Reich Gottes zu verkünden und den Männern und Frauen unserer Zeit das Evangelium des Herrn zu bezeugen.“ (Kard. Mario Grech in Skizzen zu Umsetzungsphase). Übergeordnetes Ziel der Synode zur Synodalität ist daher, die Kirche für ihre Sendung zu stärken.
Der Titel der Synode lautet „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung.“ Damit sind die drei zentralen Themen der Synode angesprochen:
Gemäß dem alten Grundsatz: „Was alle angeht, muss von allen besprochen werden“, sind alle Getauften eingeladen, an diesem Synodenprozess teilzunehmen. Jeder Getaufte ist Träger des sensus fidelium, einer Art „geistlicher Instinkt“, um im Glaubens Wahres und Falsches zu unterscheiden.
Um sich voll und ganz am Prozess der Entscheidungsfindung beteiligen zu können, ist es für die Getauften wichtig, auch die Stimmen anderer Menschen in ihrem lokalen Umfeld zu hören, darunter Menschen, die sich vom Glauben abgewandt haben, Menschen anderer Glaubensrichtungen und Menschen ohne religiösen Glauben.
Besondere Sorgfalt soll darauf verwendet werden, diejenigen Personen einzubeziehen, die Gefahr laufen, ausgeschlossen zu werden: Frauen, Menschen mit Behinderungen, Flüchtlinge, Migranten, ältere Menschen, Menschen, die in Armut leben, Katholiken, die ihren Glauben selten oder nie praktizieren, usw..
Eine bestimmte Gesprächsform hat sich als besonders wichtig für den Prozess herausgestellt, das sog. Gespräch im Geist. Seine Besonderheit besteht darin, dass die für einen synodalen Prozess wichtigen (hören, freie Rede, Unterscheidung) in einem Gesprächsablauf mit drei Runden in Verbindung zueinander gebracht werden.
Das Abschlussdokument der XVI. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode vom Oktober 2024 fasst die Ergebnisse der diözesanen, nationalen, kontinentalen und weltweiten Prozessphase zusammen. Damit ist es der zentrale Bezugspunkt für die Umsetzungsphase.
In einer begleitenden Note beschreibt Papst Franziskus, welche Bedeutung das Dokument für ihn hat und übergibt es zur Umsetzung der Welt.
Ein großer Baum streckt sich zum Himmel. Ein Zeichen tiefer Lebenskraft und Hoffnung, das das Kreuz Christi zum Ausdruck bringt. Er trägt die Eucharistie, die wie die Sonne strahlt. Die horizontalen Äste, die wie Hände oder Flügel geöffnet sind, symbolisieren gleichzeitig den Heiligen Geist.
Das Volk Gottes ist nicht statisch: Es ist in Bewegung, in direkter Anlehnung an die Etymologie des Wortes Synode, das „gemeinsam gehen” bedeutet. Die Menschen sind vereint durch dieselbe gemeinsame Dynamik, die dieser Baum des Lebens ihnen einhaucht und von dem aus sie ihren Weg beginnen.
Diese 15 Silhouetten fassen unsere gesamte Menschheit in ihrer Vielfalt an Lebenssituationen, Generationen und Herkunft zusammen. Dieser Aspekt wird durch die Vielfalt leuchtender Farben verstärkt, die selbst Zeichen der Freude sind. Es gibt keine Hierarchie zwischen diesen Menschen, die alle gleichberechtigt sind: Jung, Alt, Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Laien, Ordensleute, Eltern, Paare, Singles; der Bischof und die Nonne stehen nicht vor ihnen, sondern unter ihnen. Ganz natürlich eröffnen Kinder und dann Jugendliche ihren Weg, in Anlehnung an diese Worte Jesu im Evangelium: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all dies den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“ (Mt 11,25)

Wir stehen vor dir, Heiliger Geist,
in deinem Namen sind wir versammelt.
Du, unser wahrer Ratgeber:
komm zu uns,
steh uns bei,
kehre ein in unsere Herzen.
Lehre uns, wohin wir gehen sollen;
zeige uns, wie wir das Ziel erreichen können.
Bewahre uns davor,
als schwache und sündige Menschen
die Orientierung zu verlieren.
Lass nicht zu,
dass Unwissenheit uns auf falsche Wege führt.
Gib uns die Gabe der Unterscheidung,
dass wir unser Handeln nicht von Vorurteilen
und falschen Rücksichten leiten lassen.
Führe uns in dir zur Einheit,
damit wir nicht vom Weg der Wahrheit
und der Gerechtigkeit abkommen,
sondern auf unserer Pilgerschaft
dem ewigen Leben entgegenstreben.
Das erbitten wir von Dir,
der du zu allen Zeiten und an allen Orten wirkst,
in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.


Generalsekretär
