Wenn Feuer, Wasser oder andere Katastrophen Kulturgüter bedrohen, zählt jede Minute. Um für solche Situationen besser gerüstet zu sein, haben acht bedeutende Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Salzburg die „Salzburger Deklaration zur Sicherung des Kulturguts“ unterzeichnet. Die Vereinbarung schafft einen regionalen Notfallverbund und soll den Schutz von Archiven, Bibliotheken, Museen und Sammlungen nachhaltig stärken. Unterzeichnet wurde die Deklaration von folgenden Institutionen: Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Erzabtei St. Peter (Erzabt Jakob Auer), Archiv der Erzdiözese Salzburg (Ordinariatskanzlerin Christine Nigg), Archiv der Universität Mozarteum Salzburg (Rektorin Constanze Wimmer), Dommuseum Salzburg (Prälat Johann Reißmeier), Salzburg Museum (Direktor Martin Hochleitner), Salzburger Landesarchiv (Direktor Oskar Dohle), Stadtarchiv Salzburg (Amtsleiterin Sabine Veits-Falk), Universitätsarchiv Salzburg (Rektor Bernhard Fügenschuh).
„Die heutige Unterzeichnung ist ein großer Meilenstein“, betont Archivleiter Thomas Mitterecker vom Archiv der Erzdiözese Salzburg. Nach rund drei Jahren Vorbereitungszeit sei es gelungen, Einrichtungen aus Kultur, Wissenschaft und Bildung in einem gemeinsamen Netzwerk zusammenzuführen. Ziel der Kooperation ist nicht nur die gegenseitige Unterstützung im Ernstfall. Die Partner wollen auch vorbeugende Maßnahmen entwickeln, wissenschaftliche Erkenntnisse austauschen und gemeinsam Strategien für den Schutz ihrer Bestände erarbeiten.
Nach der Unterzeichnung beginnt die praktische Umsetzung. Geplant sind Workshops, Schulungen und gemeinsame Übungen. Darüber hinaus wollen die Einrichtungen den Austausch mit Behörden, Feuerwehr, Bundesheer und weiteren Einsatzorganisationen intensivieren.
Die Bedeutung dieser Zusammenarbeit wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Bestände des Archivs der Erzdiözese Salzburg wirft. Das Archiv verwahrt historische Dokumente und Verwaltungsunterlagen, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Darüber hinaus betreut es die Archive von rund 220 Pfarren und Seelsorgestellen der Erzdiözese. Das Haus zählt zu den bedeutendsten kirchlichen Archiven Österreichs. Zu den wertvollsten Sammlungen gehören mittelalterliche Handschriften, historische Grafiken, Urkunden und zahlreiche Unikate aus mehreren Jahrhunderten. Viele dieser Objekte existieren weltweit nur ein einziges Mal. „Archivalien sind immer Unikate und unersetzbar“, erklärt Mitterecker. Während sich von manchen Büchern noch weitere Exemplare finden lassen, würde der Verlust eines historischen Dokuments oft einen unwiederbringlichen Schaden bedeuten.
Die größte Herausforderung für Archive und Museen besteht darin, Schäden möglichst zu verhindern. Neben klassischen Risiken wie Bränden oder Wasserschäden wächst durch den Klimawandel auch der Druck durch Schädlinge und veränderte Umweltbedingungen.
Die Erhaltung historischer Bestände erfordert deshalb kontinuierliche Pflege, regelmäßige Kontrollen und hohe Investitionen. Bereits die Restaurierung einzelner beschädigter Objekte kann mehrere hundert bis tausend Euro kosten. „Die Wiederherstellung ist oft sehr aufwendig, ressourcenintensiv und zeitaufwendig“, sagt Mitterecker. Deshalb sei Prävention der wichtigste Baustein eines modernen Kulturgutschutzes.
Wie schnell wertvolle Kulturgüter verloren gehen können, zeigen zahlreiche Beispiele aus Europa. Besonders prägend waren der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln im Jahr 2009 oder der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Auch in Österreich kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Schäden in Archiven und historischen Gebäuden. Solche Ereignisse verdeutlichen, dass nicht nur die Bergung beschädigter Bestände eine Herausforderung darstellt. Oft fehlen kurzfristig geeignete Räume, Spezialisten oder technische Ausrüstung für die Nachsorge. Genau hier setzt die Salzburger Deklaration an: Die beteiligten Einrichtungen verpflichten sich zu gegenseitiger Unterstützung und zum Austausch von Know-how, Personal und Ressourcen im Notfall.
Die Initiative geht auf das Archiv der Erzdiözese Salzburg zurück. Die Salzburger Deklaration schafft einen verbindlichen Rahmen für Prävention, fachlichen Austausch und gegenseitige Hilfe im Schadensfall. Die Partner wollen Best-Practice-Modelle entwickeln, Vorsorgemaßnahmen verbessern und ihre Zusammenarbeit langfristig ausbauen. Für Salzburg bedeutet die Vereinbarung einen weiteren Schritt hin zu einem umfassenden Schutz des kulturellen Erbes. Gleichzeitig bleibt der Verbund offen für weitere Archive, Bibliotheken, Museen und wissenschaftliche Einrichtungen, die sich künftig anschließen möchten. Denn Kulturgüter sind weit mehr als historische Objekte. Sie bewahren die Erinnerung einer Gesellschaft – und diese Verantwortung lässt sich am besten gemeinsam tragen.
