(eds/tru) Wenn in Tirol das Herz-Jesu-Fest gefeiert wird, handelt es sich weit mehr als um einen kirchlichen Feiertag. Es ist ein Tag des Glaubens, der Gemeinschaft und der historischen Erinnerung. Je nach Region wird das Fest entweder am Herz-Jesu-Freitag oder am darauffolgenden Sonntag gefeiert. Beide Termine liegen eine Woche nach Fronleichnam. Für viele Tirolerinnen und Tiroler ist es ein lebendiges Bekenntnis zu ihrer religiösen und kulturellen Identität. Der langjährige Bildungsoffizier des Schützenbataillons Rupert Wintersteller im Bezirk Kitzbühel, Christian-Georg Hopfensperger, beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Geschichte und Bedeutung dieses besonderen Tages. Seine persönlichen Erinnerungen und historischen Einordnungen zeigen, warum das Herz-Jesu-Fest bis heute einen festen Platz im Tiroler Brauchtum einnimmt.
Die Wurzeln des Tiroler Herz-Jesu-Festes reichen bis ins Jahr 1796 zurück. Damals legten die Tiroler Landstände am 1. Juni in Bozen das berühmte Herz-Jesu-Gelöbnis ab. In einer Zeit großer politischer Unsicherheit vertrauten sie das Land dem Schutz des Heiligsten Herzens Jesu an. „Das Herz-Jesu-Gelöbnis vom 1. Juni 1796 in Bozen hat einen besonderen Bund zwischen den Tirolerinnen und Tirolern und dem göttlichen Herzen Jesu besiegelt“, betont Hopfensperger.
Bis heute gilt dieser Bund als ein weltweit einzigartiges Zeichen der Verbundenheit zwischen Glauben und Heimat. In zahlreichen Tiroler Gemeinden wird das Gelöbnis jedes Jahr erneuert und damit die jahrhundertealte Tradition lebendig gehalten.
Eine besondere historische Bedeutung erhielt das Herz-Jesu-Fest durch den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer. Nach dem Sieg der Tiroler Aufständischen in der ersten Bergisel-Schlacht am 25. Mai 1809 erklärte Hofer den Herz-Jesu-Sonntag zum Tiroler Landesfeiertag.
„Seitdem begehen wir Tiroler Schützen dieses Fest als unseren Standestag“, erklärt Hopfensperger. Damit wurde das Herz-Jesu-Fest nicht nur zu einem religiösen, sondern auch zu einem identitätsstiftenden Ereignis für das Land Tirol und seine Bevölkerung.
Traditionell steht am Herz-Jesu-Tag der feierliche Gottesdienst im Mittelpunkt. Dieser wird vielerorts gemeinsam von Traditionsvereinen, Schützenkompanien, örtlichen Chören, Gemeindevertretungen, kirchlichen Organisationen und zahlreichen Gläubigen gestaltet.
Das Fest soll jedoch nicht mit dem Gottesdienst enden. Vielmehr bietet es Gelegenheit zur Begegnung innerhalb der Dorfgemeinschaft.
„Empfohlen wird nach dem Gottesdienst eine Agape oder ein Frühschoppen für alle Gemeindebewohner, um dieses Fest auch in gemeinsamer Begegnung feiern zu können“, so Hopfensperger.
Die Pflege der Gemeinschaft gehört seit jeher zu den tragenden Säulen des Herz-Jesu-Festes und stärkt den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinden.
Zum besonderen Charakter des Festtages gehört auch die festliche Beflaggung der Orte. Viele Tiroler Familien schmücken ihre Häuser mit der Tiroler Landesfahne oder der österreichischen Bundesflagge.
„Alle Häuser im Gemeindezentrum sollten ihre Tiroler Fahnen oder auch die österreichische Bundesfahne hissen, um den besonderen Charakter dieses Tages zum Ausdruck zu bringen“, wünscht sich Hopfensperger. Die Fahnen werden damit zu sichtbaren Symbolen für Heimatverbundenheit, Tradition und Glauben.
Eine besonders lebendige Ausprägung des Herz-Jesu-Festes erlebt Hopfensperger seit vielen Jahren in Oberndorf in Tirol. Dort rückt die Schützenkompanie traditionell am Herz-Jesu-Freitag aus.
Während des Gottesdienstes wird anstelle des Glaubensbekenntnisses das Herz-Jesu-Gelöbnis gebetet. Anschließend marschieren die Schützen zum Josef-Hager-Denkmal beim Gasthof Dorfwirt.
Dort wird der Scharfschützenhauptmann Josef Hager und seinen Männern gedacht. Hager spielte im Jahr 1805 eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung Tirols. Gemeinsam mit seinen Schützen gelang es ihm, die bayerischen und französischen Truppen am Pass Strub zurückzudrängen. „Dort gibt es ein Totengedenken an Scharfschützenhauptmann Josef Hager und seine Schützen, die 1805 maßgeblich daran beteiligt waren, die Bajuwaren und Franzosen am Pass Strub zurückzudrängen und in einer blutigen Schlacht zu besiegen“, berichtet Hopfensperger. Aus Dankbarkeit für diesen Sieg spendete Josef Hager der Oberndorfer Kirche wertvolle Stiftungen und gründete eine Heilige Messe zur Goldenen Rorate am 24. Dezember. Diese Tradition wird bis heute fortgeführt. „Diese Messe gibt es heute noch und sie ist natürlich eine Pflichtausrückung für meine Josef-Hager-Schützenkompanie Oberndorf“, erklärt Hopfensperger.
Für Christian-Georg Hopfensperger steht fest, dass das Herz-Jesu-Fest auch in Zukunft eine wichtige Rolle für Tirol spielen wird. „Die Feier des Herz-Jesu-Festes ist in Tirol ein besonderes christliches Bekenntnis und sollte daher mit Würde und besonderem Engagement gefeiert werden.“
Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen erinnert das Herz-Jesu-Fest an Werte wie Zusammenhalt, Verantwortung, Glauben und Heimatverbundenheit. Es ist ein lebendiges Stück Tiroler Geschichte – und zugleich ein Fest, das Menschen bis heute zusammenführt.
Ist dir schon einmal aufgefallen, dass im Juni in der Dämmerung tausende Flammen die Gipfel aufleuchten lassen. Freiwillige Helferinnen und Helfer formen Herzen, Kreuze und christliche Symbole, die weithin sichtbar über den Tälern brennen. Es handelt sich um die Herz-Jesu-Feuer, sie zählen zu den beeindruckendsten Traditionen des Alpenraums. Wochenlang sammeln Vereine, Feuerwehren und Dorfgemeinschaften Holz, transportieren Material auf die Berge und gestalten die Motive. Am Herz-Jesu-Sonntag entzünden sie die Feuer fast immer gleichzeitig und schaffen so auf den Tiroler Bergen in ein atemberaubendes Lichtermeer.
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