(eds/tru) / Pilgern bedeutet heute weit mehr als das Zurücklegen von Kilometern. Für viele Menschen ist es eine bewusste Auszeit vom Alltag – ein Innehalten in einer Welt, die oft von Tempo, Verpflichtungen und ständiger Erreichbarkeit geprägt ist. Auch für viele moderne Pilgerinnen und Pilger steht nicht die sportliche Leistung im Mittelpunkt, sondern das bewusste Gehen: Schritt für Schritt, im eigenen Rhythmus, reduziert auf das Wesentliche.
„Aufbrechen – gehen – ankommen“ beschreibt dieses Gefühl treffend sagt Pilgerreferentin der Erzdiözese Salzburgn Angelika Wimmer. Wer pilgert, trägt nur das mit sich, was wirklich notwendig ist. Gerade diese Einfachheit wird oft als befreiend erlebt. Der Blick richtet sich weg vom Überfluss und hin zu den kleinen Dingen: ein freundlicher Gruß am Wegesrand, das Rascheln des Waldes, ein stiller Moment in der Natur.
Beim Pilgern entsteht häufig eine besondere Ruhe. Der monotone Rhythmus der Schritte beruhigt Körper und Geist. Viele beschreiben das Gehen deshalb als eine Form der Meditation. Gedanken ordnen sich neu, der innere Lärm wird leiser und das Hier und Jetzt gewinnt an Bedeutung. Besonders die Natur spielt dabei eine wichtige Rolle. Fernab von Terminen und Ablenkungen eröffnet sie eine Stille, die im Alltag oft verloren gegangen ist. Nach einigen Tagen unterwegs verändert sich das Wahrnehmen: "Der Kopf wird freier, die Sinne wacher und die Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf das Wesentliche", erklärt Frau Wimmer.
Pilgern bedeutet dabei nicht, möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Vielmehr geht es darum, Tempo herauszunehmen und den Augenblick bewusst wahrzunehmen. So wird der Weg selbst zu einer spirituellen Erfahrung.
Pilgern ist aber auch ein kleines Abenteuer. Nicht immer ist klar, wo der Tag endet, wem man begegnet oder wie der nächste Wegabschnitt aussieht. Genau darin liegt für viele eine besondere Kraft: sich auf Neues einzulassen und dem Leben mit Offenheit zu begegnen.
Jeder Tag bringt Überraschungen mit sich. Begegnungen entstehen oft spontan und bleiben lange in Erinnerung. Pilgern wird so auch zu einer Übung des Vertrauens – in den Weg, in das Leben und nicht zuletzt in sich selbst.
Für viele Gläubige ist Pilgern eng mit Dankbarkeit verbunden. Dankbarkeit dafür, unterwegs sein zu dürfen. Dafür, dass die eigenen Füße tragen, dass ein Schlafplatz wartet oder eine warme Mahlzeit den Tag abschließt. Oft entsteht unterwegs die Erkenntnis, wie wenig es eigentlich braucht, um zufrieden zu sein. Auch die Begegnung mit der Schöpfung spielt eine zentrale Rolle. Berge, Wälder, Seen und weite Landschaften lassen viele Menschen Gottes Nähe neu erfahren. Dazu kommen stille Momente, die tief berühren – manchmal so sehr, dass sie Tränen auslösen. Pilgern bedeutet für viele daher auch, sich getragen zu fühlen: von der Gemeinschaft, vom Weg und vom Vertrauen darauf, dass eine schützende Hand mitgeht.
Die Erzdiözese Salzburg bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Pilgern. Die Wege sind landschaftlich ebenso vielfältig wie in ihren Anforderungen. Ob gemütliche Tageswanderung oder mehrtägige Pilgertour – für Anfänger ebenso wie für erfahrene Pilgerinnen und Pilger findet sich das passende Angebot. Viele Wege können alleine, gemeinsam mit Freunden oder in Gruppen gegangen werden. Zudem werden geführte Pilgerwanderungen angeboten. Einen guten Überblick bietet die Broschüre „Mal weg“, in der ein- und mehrtägige Pilgerwanderungen vorgestellt werden.
Gerade für Kinder kann Pilgern zu einem besonderen Erlebnis werden – vorausgesetzt, die Strecke ist kindgerecht gestaltet. Denn Kinder zählen keine Kilometer, sondern Abenteuer.
Wichtig sind kurze Etappen, spannende Stationen und genügend Möglichkeiten zum Entdecken. So wird das Gehen zu einer kleinen Entdeckungsreise.
Maria Plain
Der Weg zur bekannten Wallfahrtskirche kann je nach Startpunkt kurz oder länger gewählt werden. Oben angekommen warten eine beeindruckende Aussicht, viel Platz zum Herumlaufen – und vielleicht auch ein Eis als Belohnung.
Weg der guten Wünsche in Flachau
Ein einfacher Themenweg mit verschiedenen Stationen, an denen Wünsche hinterlassen oder mitgenommen werden können. Spielerisch und zugleich inspirierend.
Wolfgangweg von St. Gilgen nach St. Wolfgang
Besonders für ältere Kinder spannend: Der Weg führt unter anderem zur berühmten Einsiedelei im Felsen am Falkenstein. Die Rückfahrt mit dem Schiff macht den Ausflug zusätzlich zu einem besonderen Erlebnis.
Wer sich näher über Pilgerwege in Salzburg und Österreich informieren möchte, findet auf der Plattform „Offener Himmel“ hilfreiche Informationen, Wegbeschreibungen und weiterführende Links. Dort steht auch die Broschüre „Mal weg“ kostenlos als PDF zum Download bereit.
Weitere Informationen: hier