eds (tru) / Die Welt mit offenen Augen entdecken, staunen, Fragen stellen und Verantwortung übernehmen: „Der Aspekt der Schöpfung ist in der Einrichtung der St. Erentrudis Stiftung ein wichtiger Bestandteil religiöser Bildung“, sagt Claudia Zelinsky, Geschäftsführerin St. Erentrudis Stiftung.
Damit dieser Gedanke der Schöpfung für Kinder nicht abstrakt bleibt, wird er im Alltag auf vielfältige Weise erlebbar. Naturerfahrungen, religiöse Impulse und die Auseinandersetzung mit Umwelt und Nachhaltigkeit schaffen Möglichkeiten, Zusammenhänge selbst zu entdecken und Fragen zu entwickeln. „Wir, die St. Erentrudis Stiftung, vereinen als Trägerin alle unsere 16 Einrichtungen unter einem Dach und schätzen die Einzigartigkeit jeder Einrichtung sehr! Jede Einrichtung wählt in der Bildungsarbeit einen individuellen Weg, im Vordergrund stehen stets die Interessen und das Wohl der Kinder“, erklärt Andjela Zuparic, BA, Pädagogische Leitung. Daher finde auch der Aspekt der Schöpfung auf vielfältige Weise Raum. „Wichtig ist uns, den Kindern ein Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber der Schöpfung zu vermitteln und Werte wie Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Wertschätzung für alles Lebendige zu fördern“, sagt Zelinsky.
Die 16 Einrichtungen der St. Erentrudis Stiftung arbeiten mit unterschiedlichen pädagogischen Schwerpunkten und Zugängen. Diese Vielfalt ermöglicht es, das Thema Schöpfung jeweils passend zu den Interessen und Bedürfnissen der Kinder aufzugreifen. In der „Spürnasenecke“ können Kinder beispielsweise Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten erforschen. Regelmäßige Waldtage machen die Natur unmittelbar erlebbar. So entstehen unterschiedliche Wege, die Kinder zum Beobachten, Fragen und Staunen einladen.
Auch im Pfarrkindergarten St. Elisabeth spielt der religiöse Gedanke eine wichtige Rolle. Für Florian Steingruber, gruppenführender Kindergartenpädagoge und stellvertretender Leiter, ist es dabei besonders wichtig, den Kindern Raum für ihre Interessen und auch für ihren kindlichen Glauben zu geben. Gleichzeitig steht für ihn das Miteinander der Gruppe im Mittelpunkt. Es beginnt bei den alltäglichen Dingen: Wie sprechen wir miteinander? Wie begegnen wir einander? Wie schaffen wir eine Atmosphäre, in der sich jedes Kind angenommen und gesehen fühlt? Gerade weil im Kindergarten Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen zusammenkommen, versteht Steingruber Vielfalt als große Chance. Religiöse Bildung bedeutet für ihn nicht, Kindern etwas „aufzudrücken“. Vielmehr sollen unterschiedliche Zugänge und Überzeugungen ihren Platz haben. Jedes Kind soll sich willkommen fühlen und die Möglichkeit haben, so zu sein und sich einzubringen, wie es ist.
Mit Beginn der Schöpfungszeit am 1. September rückt das Thema Schöpfung noch stärker in den Mittelpunkt. Im Pfarrkindergarten St. Elisabeth wird die Zeit unter anderem genutzt, um gemeinsam auf Erntedank zuzugehen. Das Erntedankfest ist dort traditionell eines der ersten Kindergartenfeste im neuen Kindergartenjahr. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wofür können wir dankbar sein?
Dabei geht es nicht nur um Lebensmittel, die auf unsere Teller kommen. Dankbarkeit ist vielfältig: Dankbarkeit für die Familie, für Freunde, dafür, dass es einem gut geht, oder ganz einfach dafür, da zu sein. Gerade zu Beginn des Kindergartenjahrs gewinnt dieser Gedanke eine besondere Bedeutung. Viele Kinder starten in einen neuen Lebensabschnitt, neue Beziehungen entstehen und auch für die Eltern ist die Eingewöhnungszeit eine wichtige Phase. Auch die Familien werden in die Aktivitäten einbezogen. Ein gemeinsamer Besuch auf einem Bauernhof kann beispielsweise zeigen, wo Lebensmittel entstehen und wie viel Arbeit und Natur dahinterstecken. Darüber hinaus lernen die Kinder den biologischen Jahreskreis kennen. Sie beobachten, was Bauern und Bäuerinnen im Frühling, Sommer, Herbst und Winter tun und übertragen diese Erfahrungen auf den eigenen Kindergarten-Garten. Was wächst gerade? Was ist reif? Was braucht eine Pflanze zum Wachsen? Und was braucht der Boden, damit er uns auch in Zukunft mit Nahrung versorgen kann?
Aus diesen einfachen Fragen entstehen wichtige Lernprozesse über Natur, Nachhaltigkeit und Verantwortung.
Wie Kinder solche Themen aufnehmen, zeigt sich laut Steingruber vor allem im Alltag. Nach einer intensiveren Beschäftigung mit einem Thema tauchen die Inhalte oft ganz selbstverständlich wieder auf.
Kinder greifen Erlebtes in ihrem Spiel auf, erzählen davon oder entwickeln eigene Ideen. Für Pädagoginnen und Pädagogen entsteht dadurch eine spannende Beobachterrolle: Was hat die Kinder besonders beschäftigt? Welche Fragen sind entstanden? Welche Interessen zeigen sich? Und was könnte der nächste Schritt sein?
„Die Kinder leben das mit einer wahnsinnig großen Begeisterung“, beschreibt Steingruber seine Erfahrungen. Gerade darin liegt eine große Stärke der pädagogischen Arbeit: nicht nur fertige Antworten zu vermitteln, sondern die Fragen der Kinder ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben.
Für Steingruber ist der persönliche Zugang zum Thema Schöpfung ebenfalls von großer Bedeutung. Er selbst ist religiös aufgewachsen und hat gleichzeitig einen sehr weltlichen Zugang durch seine Eltern kennengelernt. Für ihn schließen sich diese beiden Perspektiven nicht aus. Im Gegenteil: Beide können dazu beitragen, unterschiedliche Werte und Sichtweisen miteinander zu verbinden. Entscheidend ist dabei die eigene Haltung.
Je authentischer ich bin und je ehrlicher mir das selbst ein Anliegen ist, desto stärker bringe ich das auch den Kindern wieder.
Gerade beim Thema Schöpfung und Nachhaltigkeit wird deutlich, wie wichtig Vorbilder sind. Kinder beobachten, wie Erwachsene mit Lebensmitteln umgehen, ob sie Müll vermeiden, wie sie Pflanzen und Tiere behandeln und wie sie miteinander auskommen. Pädagogik findet deshalb nicht nur in geplanten Projekten statt, sondern auch in den vielen kleinen Situationen des Alltags.